
Hugo ist Joris´ Lieblingsonkel. Und ein prima Fußballtrainer. Aber Hugo ist sehr krank. Joris wünscht sich so sehr, dass er wieder gesund wird. Er muss Joris doch zeigen, wie er der beste Torwart der Klasse werden kann. Und außerdem erwartet Mama ein Baby - und das soll Onkel Hugo auch noch kennen lernen!
Menschen sterben - manche auch, wenn sie noch nicht sehr alt sind. Das ist eine traurige Tatsache und gehört zum Leben dazu. Wie aber bereitet man ein Kind auf den Tod eines geliebten Angehörigen vor? Erklärt ihm, was passieren wird, wenn dieser gestorben ist - sowohl über das, was danach mit dem Toten als über das, was nach dem Tod mit dem Kind selbst geschieht? Auch der kleine Joris, der schon zur Schule geht und auch schreiben kann, aber sicherlich nicht viel älter ist als acht, muss eines Tages erfahren, dass sein Onkel, der Bruder seiner Mutter, krank ist.
Unheilbar krank. Er hat Flecken im Gesicht und auf der Zunge und hustet. Außerdem muss er sich pausenlos übergeben. Der Gedanke an eine HIV-Erkrankung liegt nahe - auch wenn dies nirgendwo steht. Aber genauso gut (oder besser: schlecht) könnte es auch Krebs sein; das Krankheitsbild ist stellenweise sehr ähnlich.
Die Autorin beschönigt nichts: Joris und mit ihm der Leser müssen miterleben, wie es dem Onkel so schlecht geht, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wird. Der Anblick ist nicht schön - Hugo ist dünn, gelb und hat einen Infusionsschlauch in der Nase. Das macht Joris Angst - doch er erfährt, dass es in Ordnung ist, sich zu fürchten oder zu weinen und dass auch die Erwachsenen nicht frei von diesen Gefühlen sind.
Es folgen viele Gespräche, ein hochdramatisches Fußballspiel und die Ankündigung von Mamas Schwangerschaft - alles zwar eindrücklich und ausgesprochen einfühlsam geschildert, aber ohne dabei in pathetische Betroffenheit abzugleiten. Dazu tragen sicherlich auch die Illustrationen von Saskia Halvmouw bei - sparsame, aber ausdrucksstarke Bleistiftzeichnungen.
Dann geschieht, was absehbar war - Onkel Hugo stirbt. In kindgerechten Worten, sachlich und informativ, ohne dabei jedoch kalt oder unpersönlich zu werden, beschreibt die gelernte Grundschullehrerin Kranendonk, wie die Beerdigung abläuft und wie man mit dem, was man dabei erlebt und empfindet, umgeht (es kann sehr hilfreich sein, ein Bonbon zu essen, wenn man weinen muss oder sich seltsam fühlt). Doch das Buch endet nicht hier - das Baby wird geboren und Mama und Joris stimmen überein, dass letzterer seiner Schwester ganz viel von Hugo wird erzählen müssen, denn schließlich weiß er eine Menge über diesen Onkel, der stets Zeit für seinen Neffen und dessen Probleme hatte.
„Vom Weinen kriegt man Durst“ geht unter die Haut und wird nicht nur die Kinder, sondern vielleicht auch die Erwachsenen zum Weinen bringen. Das Buch ist nicht mehr neu und erschien bereitss vor der Jahrtausendwende im holländischen Original, aber es ist noch immer eines der besten Bücher zum Thema für Grundschulkinder und zeigt den Tod ungeschönt als das, was er ist oder besser sein sollte: Ein trauriger, aber natürlicher Bestandteil des menschlichen Lebens.
Michaela Pelz
Anke Kranendonk: Vom Weinen kriegt man Durst
Original: Van huilen krijg je dorst, Omnibus TB, München 2003
ISBN 3-570-21155-X, 62 Seiten, 4,90 Euro, ab acht Jahren
Nächster Eintrag: Und was kommt nach tausend? (Annette Bley, ab 4 Jahren)
Vorheriger Eintrag: Warum, lieber Tod…? (Glenn Ringtved, Charlotte Pardi), ab 4 (unsere Empfehlung: ab 5/6) Jahren
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