
Früher war Herr Muffin ein junges, starkes Meerschwein. Er konnte eine ganze Gurke auf dem Rücken tragen. Nun aber ist er alt und grau und müde. Er denkt an sein Leben und knabbert dazu Mandeln. An einem Mittwochmorgen kann Herr Muffin nicht mehr aufstehen. Es tut so weh im Bauch und in den Beinen …
Herr Muffin ist sieben Jahre alt und somit bereits recht hoch betagt. Ganz genau lernen wir sein Zuhause kennen: den Briefkasten aus Pappe vor dem Häuschen, in dem manchmal Leckerbissen ankommen etwa. Eines Tages jedoch liegt da ein Brief, Und als Herr Muffin ihn liest, versteht er, dass auch Tiere sterben können. Herr Muffin nimmt sich ein herz und denkt zurück: an seine Frau, an die Kinder und den Hamster, den er immer beneidete. An das, was gut war: 7665 Mal hat man ihn gestreichelt, 728 ganze Gurken konnte er verputzen, er war frei – und der Hamster musste die ganze Zeit in seinem Rad laufen. Diese Erinnerung tut gut – vor allem jetzt, wo sein Bauch schmerzt und er langsam immer älter wird. Angst hat Herr Muffin dennoch – und deshalb freut es ihn auch ungemein, dass ein Kind ihm in einem weiteren Brief schreibt „Ich liebe dich so sehr“. Als Herr Muffin dann tatsächlich stirbt, gibt es eine Zeitungsmeldung, eine Todesanzeige, eine pompöse Beerdigung und einen letzten Brief.
Viele Kinder haben ein Haustier – oft ist es ein Hase oder ein Meerschweinchen, das eines Tages an Altersschwäche verstirbt. Die meisten betrauern diesen Verlust ebenso intensiv wie sie den Abschied angemessen feierlich begehen wollen. Denn sehr häufig ist es der erste Kontakt dieser Jungen und Mädchen mit dem Tod.
Das Buch trägt all dem Rechnung, schlägt aber gleichzeitig die Brücke zu den menschlichen „Alten“, den Großeltern. Geschickt gelöst wird dies durch die Illustrationen der vielfach preisgekrönten Anna-Clara Tidholm. Der Meerschweinchenmann selbst bleibt zwar immer klar als Tier erkennbar, lebt jedoch in einem Häuschen mit Bildern an den Wänden im Wohnzimmer. Seine Gefühle in Bezug auf Vergangenheit und Zukunft sind menschlich und nachvollziehbar. Die Ereignisse nach dem Tod von Herrn Muffin sind ebenfalls stark an das angelehnt, was sich beim Verlust eines Angehörigen abspielt.
Den Schlusspunkt setzt der letzte Brief „Der Tod ist doch ein Ausruhen, oder? Nichts, wovor man Angst haben muss. So ist es doch, Herr Muffin, oder? Du weißt es doch?“ Zweifel und Vertrauen halten sich hier die Waage – und jeder kann für sich entscheiden, was er daraus mitnehmen möchte.
“Adieu, Herr Muffin” wurde in Schweden als bestes Bilderbuch des Jahres ausgezeichnet.
Michaela Pelz
Ulf Nilsson, Anna-Clara Tidholm
Adieu, Herr Muffin
Original: Adjö, herr Muffin, Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke
Moritz Verlag gebunden, Frankfurt, 2003, ISBN 3-89565-148-6
(Kinder ab 4), 40 Seiten, € 12,80
Nächster Eintrag: Auf Wiedersehen, Mama (Elisabeth Zöller), ab 12 Jahren
Vorheriger Eintrag: Trösten ist eine Kunst des Herzens
Lesetipps Sachbuch und Belletristik, für Kinder und Erwachsene.
Selbsthilfegruppen, nach Bundesland und weltweit.
Empfehlungen, Skurriles, Ressourcen.
Abonnieren Sie unsere Info-Mails.