Selten ist ein Weg ...

Selten ist ein Weg von Anfang bis Ende immer sichtbar
Oft sehen wir nur den nächsten Schritt.
Vielleicht würden wir sonst überwältigt sein von dem, was vor uns liegt.

Unser Kurzsichtigkeit ist auch eine Gnade.
So wird unsere ganze Kraft frei für den nächsten Schritt,
für eine Aufgabe der Stunde und des Tages.

Wir konzentrieren uns auf den Moment, der zu bewältigen ist,
auf den Augenblick, der so viele Möglichkeiten in sich birgt,
auf die Verwandlung des Schweren ins Leichte,
auf das gefüllte Wort und die Bedeutung eines einzigen Blicks.

Und am Ende des Tages, des Jahres,
am Ende eines Lebensabschnitts,
und am Ende des ganzen Lebens
bilden die vielen Schritte einen unnachahmlichen Weg,
der nur unseren Namen tragen konnte.

Ulrich Schaffer (*1942), Schriftsteller und Photograph

31. Januar 2007 um 03:50 Uhr