Saltatio Mortis, der Totentanz

Der Tod beflügelte die Phantasie der mittelalterlichen Menschen auf besondere Weise. Das Antlitz der Welt war lockend und bedrohend zugleich - wo Leben war, wartete bereits der Tod. Eine Erzählung, die im 13. und 14. Jahrhundert durch weite Teile des heutigen Europa kursierte, berichtet von drei edlen Jünglingen, die während einer Jagd im Wald auf drei halbverweste Tote stoßen. Diese erzählen ihnen von der Nichtigkeit des Daseins und der Allmacht des Todes. Seit dem 14. Jahrhundert ist die Vorstellung des Totentanzes überliefert. Der Tod selbst fordert die Lebenden zum Tanz - und zwingt sie bei Weigerung, sich in den Reigen einzureihen. Derartige Totenspiele wurden durchaus auch in Kirche aufgeführt. Der Tod proklamiert in diesen Spielen seine Herrschaft über die ganze Welt und ruft den Papst und hernach alle Würdenträger auf, vor ihm zu erscheinen. Kommen sie, so lauscht er ihrem Protest und ihren Klagen, nur um sie letzten Endes doch bei der Hand zu greifen und tänzelnd zu ihrem Grab zu ziehen, in welches er sie hernach hineinstößt. Das Schauspiel wird begleitet von einer einförmigen, sich stets wiederholenden Melodie.
An diesen Schauspielen orientierte sich Hans Holbein, als er um 1524 seine bekannten Holzschnitte zum Totentanz entwarf.
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18. Dezember 2006 um 02:34 Uhr