“Man sollte nicht über den Zeitpunkt des Todes spekulieren.“ Schmerztherapie und Ort des Sterbens

Portraitbild Andrea Marghescu lächelnd Andrea Marghescu (*1965) ist gelernte Krankenschwester, ausgebildete Palliativfachkraft und arbeitet für den Christophorus Hospizverein im Landkreis Ebersberg. Obwohl die zierliche Frau mit den lockigen Haaren und den hellwachen Augen unglaublich lebendig wirkt, strahlt sie eine beneidenswerte Ruhe aus. Ihre Stimme ist sanft – und doch besteht kein Zweifel daran, dass die Zweiundvierzigjährige auch sehr bestimmt sein kann, wenn es die Situation erfordert.
Wir sprachen mit der zweifachen Mutter über ihre Arbeit als Palliativfachkraft, über die Möglichkeiten moderner Schmerztherapie, sowie die Vor- und Nachteile der letzten Stunden in einem Hospiz, im Krankenhaus oder Daheim.



Frau Marghescu, seit wann arbeiten Sie für den Christophorus Hospizverein im Landkreis Ebersberg?

Ich arbeite seit dem Sommer 2006 als Palliativfachkraft.


Und wie wird man Palliativfachkraft?

Nun, von Haus aus bin ich ja Krankenschwester – schon seit mehr als 20 Jahren.
Als ich mich entschloss, den Schwerpunkt meiner Tätigkeit auf die Hospizarbeit zu legen, machte ich berufsbegleitend an der Christophorus Akademie in Großhadern eine Zusatzausbildung in „Palliativ Care“, diese umfasste 160 Unterrichtsstunden.


Wie kam es zu diesem Entschluss?

In gewisser Weise war er eine logische Folgerung meiner jahrelangen Arbeit als Krankenschwester. Naturgemäß ist man dabei oft mit dem Tod konfrontiert – und ich spürte zunehmend meine eigene Hilflosigkeit.
Schließlich gab es eine ganz konkrete Situation während meiner Tätigkeit in der ambulanten Pflege, die sehr schwierig für mich war. Es handelte sich dabei um jemanden, den ich zu Hause pflegte und der dann auch starb. Danach wusste ich: „Entweder du lernst jetzt etwas darüber oder du hängst deinen Beruf an den Nagel.“
Menschen in den Tod zu begleiten, das ist so ein wichtiger Bereich - und wenn man nicht genug darüber weiß, dann hat man wirklich ein Defizit und kann die Leute nicht gut begleiten.


Diese Erkenntnis kam also im Lauf der Jahre?

Ja, ich weiß zwar nicht warum, aber meine Sensibilität diesbezüglich ist nach und nach gewachsen. In der Schule wurden wir damals nicht auf dieses Thema vorbereitet und auch im Krankenhaus, wo er sehr präsent ist, wurde der Tod zu meiner Zeit gern ausgeklammert.
Ich habe das ja auch so gemacht.
Doch je länger das ging, je älter ich wurde, desto klarer wurde mir auch, dass es so nicht weitergehen konnte.


Wie sieht denn Ihr Tagesablauf aus?

Der hiesige Christophorus Hospizverein hat mich ja unter anderem als beratende Kraft eingestellt. Demzufolge sind meine Tage sehr unterschiedlich. Meine Arbeit hängt stark davon ab, wer zu mir kommt und welches Problem ihn oder sie gerade umtreibt. Grob kann man meine Arbeit in drei Bereiche einteilen: Organisation, Angehörigenberatung und direkte Arbeit mit den Betroffenen. Ein großes Thema ist dabei, den Sterbenden zu helfen, ihre Schmerzen so weit wie möglich einzudämmen. Hier muss ich Kontakt mit den Hausärzten aufnehmen, mit Palliativmedizinern sprechen, Patienten über Medikamente und ihre Nebenwirkungen aufklären, die Zusammenhänge von Körper, Geist, Seele und eben dem Schmerz verdeutlichen – also eine sehr umfassende Beratung leisten.
Manchmal muss ich auch Schmerzpumpen organisieren, den Umgang mit Medikamenten erklären, eine Kollegin vom Pflegedienst einweisen ...


Ist dieser Umgang mit Schmerzmedizin ein Teil der Ausbildung, die Sie absolviert haben?

Es ist ein Teil der Ausbildung – ich habe aber zusätzlich noch einen dreimonatigen Kurs als „pain nurse“ belegt. Dabei lernt man alles rund um Schmerzen. Welche Arten es gibt - etwa postoperativen Schmerz, Tumorschmerz oder neuropathischen Schmerz - und sämtliche Behandlungsmethoden. Außerdem auch noch mal sehr viel über die Medikamente selbst.


Und in wessen Ermessen liegt die Schmerzbehandlung? Ist es der Arzt, der entscheidet, welche Medikamente verschrieben werden? Oder entscheidet der Patient, was er einnehmen möchte?

Eigentlich ist das, was den Ausschlag für die Behandlung gibt, der jeweilige Schmerz selbst. Dann schaut man sich an, wie alt der Patient ist, wie sein Zustand aussieht, welche Verabreichungsform möglich ist und so weiter. Es gibt sehr alte Menschen, die nicht mehr schlucken können, da kommen Tabletten natürlich nicht in Frage.
Man muss sich aber schon auskennen. Bei einem neuropathischen Schmerz etwa hilft Morphin zum Beispiel kaum.


Welchen Einfluss hat Ihre Arbeit auf Ihre eigene Person?

Ich stelle durchaus eine Veränderung an mir selbst fest. Vor allem im positiven Sinn.
Ich bin zufriedener geworden mit meinem eigenen Leben, habe mehr Freude an Kleinigkeiten und lebe bewusster.
Aber ich bin auch nur ein Mensch – ich bin jetzt also nicht „erleuchtet“ oder so etwas ... (lacht) Aber die Wahrnehmung, die Sicht auf die Welt und das Leben, die hat sich auf jeden Fall … verschoben.


Sie sind 42 Jahre alt. Würden Sie sagen, dass es eine Altersuntergrenze für Palliativfachkräfte gibt oder geben sollte?

Sagen wir so: Viele meiner Kolleginnen sind in einem ähnlichen Alter. Man braucht ja mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung. Ich glaube allerdings, dass die Jahre, die ich bis jetzt hatte, meine ganze Lebenserfahrung, gut waren und mir geholfen haben. Je mehr man erlebt hat, je mehr Menschen man kennen gelernt und Situationen man gemeistert hat, desto besser.


Aktuell sind Sie derzeit ja für einen ambulanten Dienst tätig, der mit Hilfe von Ehrenamtlichen Sterbende zu Hause betreut. Haben Sie auch schon in einem stationären Hospiz gearbeitet?

Ja. Während meiner Ausbildung verbrachte ich eine Woche im Hospiz der „Barmherzigen Brüder“.


Also kennen Sie sowohl die Palliativstation und das Hospiz als auch die Situation, wenn jemand zu Hause sterben möchte. Wo liegen Ihrer Meinung nach die wesentlichsten Unterschiede?

In der Palliativstation eines Krankenhauses steht die Behandlung von Symptomen im Vordergrund. Viele Leute gehen etwa wegen Atemnot oder Schmerzen dorthin. Sie lassen sich dann einstellen und werden wieder entlassen. Natürlich verstirbt dort ein relativ hoher Prozentsatz – mehr als auf anderen Stationen. Aber das eigentliche Ziel ist die Symptomlinderung. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt dort, glaube ich, etwa 14 Tage, ist also nicht sehr lang.
Lässt sich jemand in ein Hospiz einweisen, dann ist sehr viel deutlicher, wo der Weg hingeht. Es ist klar, dass die Menschen dort ihren letzten Lebensabschnitt erleben und in diesem Haus sterben. Es gibt keine stationären Ärzte, sondern diese kommen jeweils aus ihren Praxen – wie zu einem Hausbesuch.


Und wie sieht es mit den Leuten aus, die zu Hause sterben?

Ich habe ein wenig Statistik unter unseren Patienten betrieben – 2007 sind die meisten der von mir betreuten Patienten zu Hause gestorben. Das liegt aber auch daran, dass sie versorgt sind und jemanden haben – wie mich zum Beispiel.
Ich merke auf jeden Fall, dass der Wunsch bei den meisten da ist, zu Hause zu sein.
Manche sagen vorher: Ich möchte lieber in eine Palliativstation oder in ein Hospiz. Wenn es aber so weit ist, dass es dem Ende zu geht und jemand war längere Zeit zu Hause, dann ändern sie oft ihre Meinung. Das liegt vor allem daran, weil die Patienten und Angehörigen merken: „Das geht zu Hause – das ist machbar“. Sie haben ein Netz von Pflegekräften, Ehrenamtlichen, ich bin für sie da ... sie sind nicht alleine.
Es kann aber natürlich auch sein, dass jemand zu Hause bleiben möchte und dann merkt man mit der Zeit: Es geht nicht. Es treten vielleicht schwierige Symptome auf, mit denen man zu Hause doch nicht so gut umgehen kann ... dann kann eine Einweisung auf die Palliativstation einfach besser sein.
Anders gesagt: Der Mensch liebt Notfallpläne, ein „was mache ich, wenn ...“ gibt Sicherheit – das gilt für alle: Kranke, Angehörige, Pflegedienst. Aber es bleibt ein Prozentsatz, den man einfach nicht planen kann.


Wenn Ehrenamtliche ins Haus kommen sind sie ja für die Familien in der Regel zunächst einmal Fremde. Werden sie dann überall gleich herzlich willkommen geheißen?

Manchmal möchte die Familie keine „Fremden“ um sich haben, weil sie es sich gar nicht vorstellen können. Zuweilen steht auch der Gedanke im Vordergrund „Wir schaffen es alleine.“ Da ist es manchmal auch für mich schwierig, einen Zugang zu finden. Und dann gibt es jene Familien, die einfach niemanden brauchen, weil es genügend Angehörige und Freunde gibt, die tatsächlich mithelfen.
Generell wäre es aber sicher nicht verkehrt, wenn die Menschen umdenken und leichter Hilfe von außen annehmen würden.


Gibt es etwas, das Angehörige ihrerseits tun können, um die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen zu erleichtern?

Es ist so, dass die Ehrenamtlichen und auch ich zur Entlastung in die Familien gehen. Und ich glaube nicht, dass man als Außenstehender von Angehörigen rationale Verhaltensweisen erwarten darf.
Die sind so, wie sie sind – und außerdem in einer Extremsituation. Wenn sie Hilfe wünschen, können sie diese in Anspruch nehmen - wenn nicht, dann nicht.
Ich erlebe Angehörige oft selbst hilflos und in Schwierigkeiten. Und sie durchleben ähnliche Phasen wie der Betroffene selbst auch – vielleicht etwas zeitverzögert.
Manchmal klappt es sehr gut, manchmal nicht. Manchmal rauft man sich auch erst nach einem längeren Zeitraum zusammen..


Sie sprachen vorhin von den positiven Auswirkungen Ihrer Tätigkeit auf Ihr eigenes Leben. Gibt es denn auch Momente, die für Sie als „Frau vom Fach“ schwierig sind?

[denkt geraume Zeit nach] Am allerschwierigsten ist es wohl, wenn man ein Gefühl der Hilflosigkeit hat, nichts tun kann, obwohl es vielleicht durchaus Lösungswege gäbe ... Wenn Angehörige Ängste und Vorbehalte haben, was Medikamente anbetrifft, kann ich diese nicht immer ausräumen. Wenn ich zusehen muss, wie sich jemand unnötig quält, obwohl eine Linderung vielleicht möglich wäre – das ist schwierig.
Sehen Sie, mit der heutigen Palliativmedizin kann man so viel machen! Selten muss ein Mensch über längere Zeit an schweren Schmerzen leiden. Es ist auch bekannt, dass jemand, dessen Symptome richtig behandelt werden, auch weniger Grund hat, den Tod herbeizusehnen und so seine letzte Zeit viel bewusster erleben kann.
Nun denken aber viele Menschen „Schmerzen haben gehört zum Sterben dazu!“. Gerade in der älteren Generation ist das weit verbreitet. Also beißen sie die Zähne zusammen.
Und es gibt den historischen Hintergrund: In Deutschland wollte man ganz lange keine Häuser für Sterbende eröffnen, weil man Angst hatte, es könnten Assoziationen zu KZs wach werden. Das änderte sich erst in den 80er Jahren.


Ist das im Ausland anders?

In anderen Ländern geht es bei der Verabreichung von Schmerzmitteln viel großzügiger zu. In Deutschland hingegen sind in den Köpfen all diese Mythen über Morphine und deren Gefährlichkeit. Dabei haben wir so ein strenges Betäubungsmittelgesetz.


In diesem Zusammenhang hört man ja in den Medien immer wieder von den Sterbehilfsorganisationen ... vielleicht stammen die Vorbehalte auch daher?

Das mag so sein. Allerdings kann ich aus meiner Erfahrung heraus sagen: Wenn jemand keine Schmerzen mehr hat, dann hat er auch viel weniger Grund, sich aktive Sterbehilfe zu wünschen.
Sie müssen sich vorstellen: Wenn jemand unter grauenhaften Schmerzen leidet, dann geht gar nichts anderes mehr. Jeder Gedanke, jede Handlung, alles kreist ausschließlich darum. Das führt zu Hektik und Aufregung in der Familie und vor allem dazu, dass man sich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann. Der Patient kann nicht vernünftig Abschied nehmen, die Trauer tritt komplett in den Hintergrund. Darum hört man dann relativ oft: Ich mag nicht mehr leben, gebt mir irgendwas!
Und das ist deswegen so traurig, weil eine Linderung ja in den meisten Fällen möglich ist. Natürlich kann man das nicht versprechen, aber häufig ist es so.


Und was passiert danach? Gibt es Erfahrungswerte darüber, ob jemand, der diese Verkrampfung aufgibt und sich entspannt, leichter stirbt?

Ich beobachte das schon, ja. Allerdings kommt dann bei den Angehörigen manchmal der Eindruck auf: „Jetzt hat er Morphin bekommen und daran ist er gestorben!“ - Das ist falsch, ganz falsch!
Man fängt ja normalerweise mit ganz kleinen Dosen an. Natürlich kann man jemand mit Morphin umbringen – aber das Ziel bei einer Medikamentengabe ist es doch, die Schmerzen zu kontrollieren und zu beseitigen UND dabei den wachen Zustand eines Menschen zu erhalten. Er soll bei klarem Verstand sein – und nicht niedergebügelt werden.
Und ich habe es erlebt, dass jemand mit wirklich geringen Mengen Morphin leichter geht, weil er loslassen kann. Wach – und nicht weggebeamt.
Natürlich ist es normal, dass jemand wenige Stunden vor dem Tod eintrübt, nicht mehr reagiert, sich nicht mehr so äußern kann.


Wenn Sie Sterbenden und Angehörigen einen konkreten Rat geben sollten – wie kann man die Situation des „zu Hause sterbens“ am besten meistern?

Es gibt hier keine Regeln. Was für den einen passt, muss für den anderen noch lange nicht richtig sein. Das zeigt sich mit der Zeit. Wie der Patient und die Angehörigen zu Hause am besten zurecht kommen.
Wenn man merkt, es stimmt so, es passt alles, dann wollen die meisten zu Hause bleiben. Aber oft hat man ja die Situation, dass der Sterbende seine Lieben nicht belasten will. Dass er sagt: „Ich gehe lieber in ein Hospiz oder auf eine Palliativstation, als meinen Angehörigen zu Hause zur Last zu fallen.“ Wenn diese Sorge dann weg ist, geht es allen besser.


Aber angenommen, ich wäre nun der Angehörige und hätte drei kleine Kinder und einen Hund und könnte die Oma einfach nicht zu mir nehmen, möchte es aber gern ... was dann?

Dann komme zum Beispiel ich mit ins Boot. Ich bin für die Leute da und suche eine Lösung – egal, welche Frage, welches Problem, welches Anliegen da ist. Und wenn jemand in so einer Situation ist – und egal aus welchen Gründen, selbst wenn er alle Zeit der Welt hätte, es aber einfach psychisch nicht mehr schafft, den Angehörigen zu Hause zu lassen – dann unterstütze ich ihn in der Entscheidung.
Es steht mir nicht zu, jemanden zu beeinflussen und es geht dabei auch nicht um Schuld – alle befinden sich in diesem Moment in einer Extremsituation. Jeder macht auf seine Weise das, was er kann.


Auch die Angehörigen haben vermutlich oft keine Kraft mehr ...

Klar. Aber meistens ist es doch der Fall, dass die Menschen froh sind um jeden Tag, die derjenige noch da ist. Ich persönlich bin immer mehr dazu gekommen, dass ich nichts mehr denke und spekuliere – ich nehme jeden Tag genau so wie er ist.


Aber sicher kommt immer wieder die Frage „Wie viel Zeit hat mein Freund, mein Vater, mein Kind denn noch“?

Sicher. Darüber reden wir oft. Aber darauf kann ich definitiv keine Antwort geben. Sicher sagen Ärzte, wenn sie bedrängt werden, immer wieder so etwas wie: „Noch drei Wochen, noch zwei Monate“. Aber das ist gefährlich, weil es häufig nicht stimmt. Dann sind alle so auf diesen Zeitpunkt fixiert – und das ist nicht gut, denn es ist sehr belastend und wichtige Themen bleiben auf der Strecke.


Aber gibt es denn wirklich keine Anzeichen, anhand derer man erkennen kann, wie es um jemanden steht?

Gut, wenn sich jemand deutlich verändert, dann merkt man es schon. Es gibt da verschiedene Stufen. Dann kann ich manchmal vielleicht etwas sagen.
Aber auch nur vielleicht.
Tatsächlich aber sage ich in der Regel zu diesem Thema lieber gar nichts.


Und unmittelbar vor dem Tod, gibt es da Anzeichen? Man hat als Angehöriger ja doch oft die Angst, man kommt zu spät und kann sich nicht mehr verabschieden ...

Häufig kündigt sich der Todeszeitpunkt auch an, aber nicht immer. Das ist der Bereich, auf den man keinen Einfluss mehr hat. In anderen Religionen ist das teilweise viel einfacher. Da herrscht nicht diese große Angst, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, weil man glaubt, die Seele sei auch nach dem Tod noch eine ganze Zeit präsent und man könne dann noch mit demjenigen kommunizieren.


Und was glauben Sie?

Ehrlich gesagt, schließe ich mich dieser Ansicht an. In meinen Augen, spielen die fünf Minuten keine entscheidende Rolle.
Es ist schon hart, wenn jemand über einen längeren Zeitraum alleine sterben muss. Wenn er aber im Kreis seiner Familie oder im Hospiz oder egal wo, auf jeden Fall in einer Atmosphäre der Geborgenheit gut aufgehoben ist, dann ist es nicht mehr wichtig, ob er in dem Moment den Übertritt macht und stirbt, in dem jemand im Zimmer ist oder nicht.
Und manche wollen es ja vielleicht gerade so – sie passen genau den Moment ab, in dem die Angehörigen draußen sind.


Rufen Sie denn die Angehörigen an, wenn es zu Ende geht?

Meist haben wir eine entsprechende Vereinbarung und es klappt auch ganz oft.
Wenn der Patient es aber nicht will, dann respektieren wir das – er steht für uns immer im Vordergrund.
Das ist natürlich manchmal ein bisschen schwierig – gerade, wenn die Leute zu Hause sind. Da ist ja der Angehörige oft das Sprachrohr. Und die Familie ist so eng verbunden, das kann man oft gar nicht getrennt voneinander sehen. Aber ich bemühe mich trotzdem, immer zu sehen, was braucht der Kranke und wie kann ich das erreichen. Kurz gesagt: Es geht viel um Vermittlung, viel um Reden. Das A und O ist dabei eine gute Kommunikation.


Wird man darauf in der Ausbildung entsprechend vorbereitet?

Ja, schon. Aber das allein reicht nicht aus. Danach heißt es einfach, viel Erfahrung zu sammeln. Aber auch mit aller Erfahrung der Welt ist jeder nur ein Mensch, kann Fehler machen. Das gilt auch für mich. Oder man merkt, dass man etwas für einen anderen will und dann kommt man darauf, dass es ja der eigene Wunsch war und sich vielleicht gar nicht mit dem deckt, was der andere möchte. Die Hospizarbeit ist ein kontinuierliches Lernen – auch ein Lernen aus Fehlern.


[mic]

02. April 2008 um 05:17 Uhr