Lyn, August 2008. Die schwedische Biologin Susanne Wiigh-Mäsak hat ein Tabu-Thema salonfähig gemacht: die Bestattung ohne Umweltbelastung. Ihr Ziel ist die harmonische Wiedereingliederung des Verstorbenen in den Kreislauf der Natur – oder anders gesagt: seine Kompostierung. Ihr Verfahren dazu lässt sich als „gefriertrocknen und zerkleinern“ beschreiben, heißt „Promession“ und gilt als Innovation auf dem Gebiet der Bestattungstechnologie.
Seit zwei Jahrzehnten befasst sich Wiigh-Mäsak mit der Kompostierung organischen Materials. Angefangen hat sie mit der Zersetzung von Tüten und Tellern aus Maisstärke. Heute hat die 52-jährige menschliche Leichen zu ihrem Geschäft gemacht. Doch pietätslos ist die blonde Wissenschaftlerin beileibe nicht: Sie lebt im Einklang mit der Natur, wohnt mit ihrer Familie auf der kleinen Insel Lyr vor der Südwestküste Schwedens und betreibt dort den einzigen und mit mehreren Preisen ausgezeichneten Obst- und Gemüseladen – mit Produkten aus ökologischem Anbau.
Ökologisch ist auch Ihr zukunftsweisendes Bestattungsverfahren: Anders als übliche Technologien, verwandelt Wiigh-Mäsaks Verfahren den toten Körper wieder zu Erde. Der Leichnam verrottet nicht über Jahre hinweg, verbrennt nicht in Sekundenschnelle. Er hinterlässt keine Rückstände und Gifte und belastet weder Böden noch Meere bei einer eventuellen Seebestattung. Zudem reduziert sich der Einsatz fossiler Brennstoffe.
Schockgefrieren, pulverisieren, trocknen
Die ökologische neue Bestattungsalternative von Promessa Organic verzichtet auf die Einbalsamierung des Körpers mit Formalin und hält ihn damit biologisch „rein“. Der Tote wird zunächst auf minus 18 Grad Celsius heruntergekühlt. Anschließend in minus 196 Grad kalten flüssigen Stickstoff getaucht, ist der Leichnam schockgefroren – und brüchig wie Glas. Schallwellen in einer Vibrationskammer lassen den Körper dann in grobes, geruchsfreies Pulver zerfallen. Ein Verfahren, das viele in vereinfachter Form aus dem Chemie-Unterricht kennen: Es gehört zu den beliebtesten Experimenten, wenn der Lehrer eine schockgefrorene Rose oder Banane klirrend vor den Füßen der Schüler zerspringen lässt.
Damit das Pulver als Dünger einsetzt werden kann, muss ihm in einem weiteren Schritt die Flüssigkeit entzogen werden: In einer Vakuumkammer trocknen die pulverisierten menschlichen Reste. Zum Schluss noch befreit von Fremdstoffen wie Zahnfüllungen, künstlichen Gelenken, Herzschrittmachern und anderen, bleiben von einem 75 Kilo schweren Menschen noch rund 25 Kilo graurosa Granulat übrig. Dieses muss nur 30-40 Zentimeter tief begraben werden. Und ist in sechs bis zwölf Monaten komplett zu Humus abgebaut.
Diamant statt Dünger
Wer statt zu Kompost lieber zum bleibenden Juwel werden möchte, kann sich nach seinem Tod auch in einen Diamanten verwandeln lassen: Das schweizerische Unternehmen Algordanza mit Sitz in Chur fertigt aus der Asche von Toten zertifizierte und geschliffene Erinnerungsdiamanten. Das Glanzstück für die Hinterbliebenen kostet bis zu 15.000 Euro und kann auch per Vorsorge zu Lebzeiten schon bestellt werden. Der Weg vom Tod bis zum Schmuckstück dauert mehrere Wochen: Ist die Kremationsasche in Chur angekommen, bestimmt Algordanza ihren Kohlenstoffgehalt, trennt die Asche von anorganischer Materie und verwandelt den extrahierten Kohlenstoff – mindestens fünf Gramm müssen es sein – in Grafit. In dieses wird ein Startkristall eingebettet, um den unter konstant zunehmendem Druck und steigender Hitze langsam ein Diamant wächst. Bis zu einem Karat kann das bläulich schimmernde Juwel erreichen.
Dass nicht nur die Schweizer Präzisionsarbeit leisten, sondern auch die Schweden genau wissen, was Erfolg verspricht, beweist Wiigh-Mäsaks liebevoll gepflegter Garten: Dort steht unter anderem ein prächtig blühender Rhododendron – genährt vom Humus ihrer verstorbenen Katze Tussan. Für Wiigh-Mäsak ist dies das schönste Zeichen, einem geliebten Verstorbenen ein Denkmal zu setzen: kein kühler Stein, sondern eine von seinen Molekülen genährte Pflanze auf seinem Grab. Sie selbst möchte eines Tages in einem weiß blühenden Rhododendron aufgehen.
Weltweit geplant: „Promatorien“
Trotz zahlreicher kritischer Stimmen setzt sich die Öko-Bestattung langsam durch: Die südschwedische Stadt Jönköping baut bereits ein Krematorium zu einem „Promatorium“ um und kann dann die getrockneten Überreste, gebettet in einen Sarg aus Maisstärke, Filz oder einem anderen Naturmaterial, verbrennen. Und das bei einem wesentlich geringeren Verbrauch an Energie und nur minimalen CO2-Ausstoß im Vergleich zum Verbrennen eines unbehandelten Körpers – der zu 70% aus Wasser besteht. Auch kann Jönköping dank des schadstoffarmen Granulats bei der teuren Filtertechnologie sparen. Noch im diesem Jahr sollen Promatorien in Schweden, Deutschland, Großbritannien, Süd-Korea und Süd-Afrika in Betrieb genommen werden.
Bereits in 36 Ländern patentiert, hat Susanne Wiigh-Mäsak ihr Patent nun der Promessa Organic AB in Nösund überschrieben, einer von ihr selbst gegründeten Aktiengesellschaft. Die schwedische Kirche hält übrigens fünf Prozent der Promessa Anteile. Gemäß dem Trend übertreffen sich auch die schwedischen Designer mit kuriosesten Entwürfen für ökologisch abbaubare Minisärge, deren Moleküle eines Tages samt ihrem menschlichen Granulat-Inhalt zu Rose, Rhododendron & Co. werden sollen. Öko-Bestattung aus Schweden – Glanzstücke aus der Schweiz: Aus 75 Kilo Leiche werden 25 Kilo Dünger – oder ein Diamant. Bleibt nur noch die Frage: Lebst Du noch oder blühst Du schon?
Erde, Himmel und Lebewesen bildeten für die altchinesische Ansicht von der Welt eine umfassende Einheit. Menschen nahmen eine weitaus weniger bedeutende Stellung in diesem Universum ein als in der westlichen Philosophie.
Die Geisterwelt der Bronzezeit (ca. 1500-600 v.Chr.)
Die religiösen Vorstellungen des Alten China sind nicht einfach zu überblicken. Ihre Ursprünge liegen in der schriftlosen Vorgeschichte, über deren Glauben man nur spekulieren kann. Wahrscheinlich ist, dass sich, analog zu anderen Religionen, zunächst animistische Ideen entwickelten: In der gesamten Umwelt wirkten unsichtbare, aber mächtige Kräfte auf das Leben der Menschen ein.
Diesen Kräften wurde in der Bronzezeit Persönlichkeit verliehen: so sollte etwa ein Berg, an dessen Fuß eine Siedlung lag, die Macht haben, sie zu schützen. Ihm wurde ein Name gegeben, und er wurde als Geist verehrt. Die Kommunikation mit der Welt der Geister war zunächst Aufgabe der Schamaninnen (anders als in anderen Gebieten mit schamanistischer Tradition war in China diese Aufgabe meist Frauensache). Zu ihnen ging man zum Beispiel, um Rat einzuholen oder Krankheiten heilen zu lassen. Sie begaben sich in Trance, um mit den Geistern Kontakt aufzunehmen, sie zu besänftigen oder Bitten zu äußern.
Neben den personifizierten Naturkräften spielten auch die Ahnen der Lebenden eine bedeutende Rolle. Kein Mensch stand für sich allein, sondern alle waren Teil einer unendlichen Kette, die sich von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft erstreckte. Besonders den Ahnen der Herrscher wurde göttergleiche Macht zugestanden. Ihr Einfluss betraf nicht nur die Herrscherfamilie sondern den ganzen Staat.
Zum respektvollen Umgang mit der Welt der Naturgeister und Ahnen gehörten auch Tier- und selbst Menschenopfer. Man hoffte, sie dadurch milde zu stimmen und ihre Unterstützung für wichtige Vorhaben, wie Reisen, die Ernte, aber auch den Krieg, zu erlangen.
Die klassischen Lehren (ca. 600 v. Chr. – 220 n. Chr.)
Im sogenannten „Zeitalter der kämpfenden Reiche“, im fünften bis dritten Jahrhundert v. Chr. war die Macht der späten Zhou-Dynastie fast völlig geschwunden. Lokale Fürsten erhoben sich zu Königen und zogen gegen ihre Nachbarn in den Krieg. In diesem umfassenden Chaos bildeten sich aber Lehren, die für das gesamte spätere Geistesleben Chinas bedeutsam waren.
Der bekannteste Vertreter dieser Lehren ist K’ung-tzû, der im Westen meist latinisiert als „Konfuzius“ bezeichnet wird. Er lebte an der Wende vom sechsten zum fünften Jahrhundert v. Chr. und war einer der vielen Weisen und Berater jener Zeit, die verschiedene Fürstenhöfe bereisten. Konfuzius war kein Religionsstifter, sondern eher ein Sammler alter Riten und Traditionen, zu deren Einhaltung er mahnte.
Für die Lehren des Konfuzius ist der Begriff des „Li“ zentral. „Li“ bedeutet „Sitte“ oder „Verhaltensregel“, auch im Sinne des Rituals oder der Ordnung an sich. Teil des Li sind auch unzählige Vorschriften und Riten, die mit Bestattung und Trauer zu tun haben.
Die konfuzianischen Vorgaben für den Umgang der Lebenden mit den Ahnen sind ein Abbild jener für den Umgang der Lebenden miteinander. Die selbe Ehrerbietung, die Söhne ihren Vätern und Untertanen ihren Herrschern entgegenbringen sollten, wird auch den Verstorbenen geschuldet.
Die andere zentrale Lehre, die sich in klassischer Zeit herausbildete, ist als „Taoismus“ bekannt. Sie fußt auf verschiedenen Lehrsammlungen, wie dem „Tao te king“, als dessen Verfasser der Philosoph Laotse gilt. (Die historische Existenz dieses Lehrers gilt heute als zweifelhaft.)
Kern dieser Lehre ist das „Tao“ oder „Dao“, ein Prinzip, das dem Universum zu Grunde liegen und alles darin regeln soll. Dieses Prinzip kann man aber weder erklären noch ganz verstehen. Es bringt die Schöpfung mit all ihren Facetten hervor.
Anders als beim Konfuzianismus gilt es weniger, die Vorschriften des Zusammenlebens zu beachten, als vielmehr durch Beobachtung der Umwelt deren Funktion und ständigen Wandel zu erkennen.
Der Taoismus schöpft aus so vielen und so unterschiedlichen Quellen, dass es fast unmöglich ist, ihn als Weltanschauung wirklich dingfest zu machen. Er bedient sich unzähliger alter Volksüberlieferungen als Beispiele für das Wirken des Tao. Zahllose Götter, Geister und Naturkräfte haben ebenso Platz, wie die Vorstellung von den beiden Urprinzipien Yin und Yang, die Elementlehre, die Weissagungen des „I Ching“ („Buch der Wandlungen“) und auch buddhistische Ideen.
Tradition bis heute
Eine Bestattung in traditioneller chinesischer Form kann viele Facetten haben. Meist werden die Verstorbenen zunächst einige Tage lang öffentlich aufgebahrt, so dass die Gemeinde ihrer gedenken kann. Kränze als Trauerbezeugung sind allgemein üblich – eine Sitte, die aus dem Westen übernommen ist.
Beim Zug der Trauergemeinde zur eigentlichen Bestattung werden oft Papierlaternen mit den Namen der Verstorbenen getragen. Auch andere papierene Gegenstände können mitgeführt werden; kunstvolle Tier- oder Menschengestalten aber auch Häuser werden schon seit langer Zeit bei der Bestattung verbrannt. Sie ersetzen die alten Opfergaben.
Heute ist die Sitte des „Totengeldes“ weit verbreitet: eigens für die Verbrennung bei der Bestattung wird Geld auf Reispapier gedruckt. Auch hier handelt es sich um eine Analogie zu den Opfern, mit deren Hilfe man sich die Ahnen und Geister gewogen machen wollte.
Auch nach der Bestattung gehört es zu den Aufgaben der Hinterbliebenen, den Ahnen Ehre zu erweisen, Opfergaben darzubringen und ihrer zu gedenken. Die Toten sind untrennbar mit den Lebenden verbunden – also ist es nur folgerichtig, dass bei allen großen Festen Ahnenopfer abgehalten, oder zumindest die Grabstätten besucht und gepflegt werden.
Eine zentrale Stelle in der Ahnenverehrung nehmen Ahnenaltar und Ahnenhalle ein. Die Ahnenhalle einer Familie oder eines Dorfes ist der Ort, an dem alle wichtigen Entscheidungen – sozusagen im Beisein der Ahnen – getroffen werden. Zumindest ein Ahnenaltar sollte aber im Haus vorhanden sein, an dem man der Ahnen gedenken, sich von ihnen Rat holen, oder sie um Erlaubnis für wichtige Vorhaben, wie etwa Hochzeiten, bitten kann.
In Teilen haben sich diese Traditionen bis heute erhalten, wenn auch meist nur in Form von Bildern der Verstorbenen auf einem Ehrenplatz – ähnlich, wie man im Westen das Fotos eines verstorbenen Verwandten auf einen Ehrenplatz im Wohnzimmer stellt.
Die Vorfahren gehören immer noch zur Familie. Sie haben Teil am Leben, indem sie nach ihrem Tod als helfende und schützende Geister oder als Verderben bringende Dämonen darauf einwirken.
Wie dieses Einwirken der Ahnen aussieht, liegt hauptsächlich in der Verantwortung der Lebenden. Ein Verstorbener, der eine prächtige Bestattung unter genauer Beachtung der Riten erhält, wird eher günstigen Einfluss ausüben; mangelnde Achtung und Ehrerbietung können schlimme Konsequenzen haben. Wenn man seine Ahnen allerdings behandelt, als würden sie noch leben, lassen sie einem Rat und Hilfe zukommen.
[manu], Bild von tina8226, pixelio
Wenn man eine tote Maus findet, kann man sie begraben. Aber was geschieht, wenn man das nicht tut? Bleibt die Maus da einfach so liegen? Was passiert mit ihr, wenn sie gestorben ist?
Die Beine in die Höhe gestreckt, so liegt sie auf dem Rücken, die tote Maus. Dieses Bild ist vielen geläufig – sogar den Kindern. Immer mal wieder kann man sie finden, auf Feldwegen, am Straßenrand, irgendwo im Wald – ein kleines totes Mäuslein. Mal grau, oft braun – wie die im Buch.
Was passiert, wenn niemand sie beerdigt – das zeigen Kriminalbiologe Benecke und Theatermalerin Fuss auf ebenso einfache wie eindrucksvolle Weise. Mit wenigen, aber klaren und überaus einleuchtenden Sätzen und unzweideutigen, aber dennoch keinesfalls erschreckenden Bildern verdeutlichen sie die unterschiedlichen Stadien der Verwesung.
Erst kommen die grünen Fliegen, die ihre Eier an „weichen Stellen ohne Fell“ ablegen. Aus den Eiern schlüpfen die zahnlosen Maden, die alles fressen, was weich genug für sie ist. Sind sie satt und ist nichts mehr da, kriechen sie weg, verpuppen sich und werden zu neuen Fliegen. Nach den Maden kommen unterschiedliche Käfer mit unterschiedlichen Vorlieben, die am Ende nur noch das Skelett übrig lassen.
Fertig.
Und mit der nächsten toten Maus geht das Ganze von vorn wieder los.
Wer nun denkt, dass der „Madendoc“ sich eines für Kinder ungeeigneten Themas angenommen hat, der irrt. Gerade kleinere Kinder interessieren sich sehr für den wissenschaftlichen Aspekt der Vergänglichkeit – ganz ohne den Ekel, der viele Erwachsene schon beim Gedanken daran befällt.
Einen nicht ganz unwesentlichen Teil an der kindgerechten Aufbereitung des Themas haben natürlich auch die Bilder – sehr klar, sehr gegenständlich, mit wenigen Objekten auf jeder Seite.
Und schließlich: Ob und inwieweit beim (gemeinsamen) Lesen darauf hingewiesen wird, dass auch andere tote Körper demselben Prozess unterworfen sind, nun, das bleibt dem jeweiligen Vorleser überlassen.
Alles in allem also ein empfehlenswertes, wenn auch sicher nicht bei allen unumstrittenes Buch zu einem wichtigen Thema.
[mip]
Mark Benecke, Lisa Fuss: Wo bleibt die Maus - Vom Kreislauf des Lebens, Sauerländer gebunden, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3794151745, 32 Seiten, € 12,90, ab vier Jahren
Opa ist gestorben. Was das bedeutet, weiß Berti eigentlich nicht. Nur, dass es ihn sehr, sehr traurig macht.
Doch Opa hat Berti einen Brief hinterlassen. Zunächst versteht Berti Opas Worte nicht wirklich. Aber mit der Zeit begreift er, was Opa ihm sagen wollte. Und das tröstet Berti über seinen Schmerz hinweg.
Am Anfang steht der Tod – und die Beerdigung von Opa Maus.
Ein Geschenk hat er dem Enkel hinterlassen und ein Schreiben, in dem er erklärt, dass er jedem in der Familie etwas mitgegeben hat, etwas, wodurch er weiterlebt, auch wenn er selbst nicht mehr da ist. Und nach und nach findet der kleine Mäusejunge heraus, worum es sich dabei handelt: Es geht um äußerliche Merkmale, um Eigenschaften, Talente, Vorlieben und Zukunftspläne. Und darum, dass niemand vergessen ist, an den man sich aktiv erinnert und dessen Arbeit man fortführt.
Die doppelseitigen, farbenfrohen Illustrationen von Daniela Chudzinski lassen jedes Mitglied der Mäusefamilie so richtig lebendig werden: Den Buben Berti in seinen Fußballklamotten, Oma mit dem Kneifer, die Mutter mit der Blüte am Ohr ... Die Texte sind einfach gehalten und darum gerade auch für die Allerkleinsten selbsterklärend. Die Trauer der Hinterbliebenen ist greifbar und doch überlagert sie nicht alles – vor allem nicht das Vermächtnis des Großvaters. So schön und lebendig ist das ganze Buch, dass der Leser sich am liebsten dazusetzen möchte, wenn Berti mitten im Sonnenblumenfeld Opas Brief liest. Und man möchte jedem kleinen (und großen) Berti einen Opa wünschen, der ihm solch einen Brief hinterlässt – damit nicht der Tod im Vordergrund steht, sondern die Erinnerung und das Weiterleben.
[mic]
Jeanette Randerath, Daniela Chudzinski: Der Abschiedsbrief von Opa Maus, Thienemann gebunden, Stuttgart 2007, ISBN 978-3522435222, 32 Seiten, € 12,90 (ab 4)
James Hudson Blanks wurde am 14. Juli 2006 in den USA still geboren. Kurz vor dem errechneten Geburtstermin wurden die Tritte des Jungen im Mutterleib unregelmäßiger und hörten wenige Stunden vor seiner Geburt ganz auf. Seine Eltern und sein kleiner Bruder widmeten James diese Seite (in englischer Sprache), mit der sie an ihren Sohn und Bruder erinnern, aber auch andere darüber aufklären möchten, wie wichtig es ist, auf das Abnehmen des Tretens der Kinder im Mutterleib schnell und umgehend zu reagieren und sofort in ein Krankenhaus zu fahren.
Die liebevoll angelegte Seite enthält auch eine Diashow der Momente nach der Geburt des Jungen (unter “The story of Baby James” - “Links” - “The Birth of Baby James, A photographic essay by Tiffany Thymius”). Was auf den ersten Blick irritierend wirken mag, ist auf den zweiten Blick ein Geschenk der Eltern an andere, die einer Totgeburt ins Auge sehen müssen: Die Familie nimmt umfassend Abschied von James, und obschon ihr Leid unvorstellbar groß ist, macht diese Diashow deutlich, wie unendlich wichtig und wertvoll diese Augenblicke des Abschiednehmens sind - und auch Bilder, die den kleinen Menschen in der Erinnerung greifbar machen. Die Trauer über einen Menschen, der geht, wird immer Teil des Lebens der Hinterbliebenen sein. Aber die Erinnerung kann Inseln der Ruhe und des Friedens schaffen. Der Mut der Eltern des Jungen, diese Stunden ihres Lebens zu teilen, kann vielleicht auch anderen Kraft geben, sich nach einer Stillgeburt Zeit für sein Kind zu nehmen - Zeit, sein Bild im Herzen aufzunehmen und Zeit, Abschied zu nehmen.
[me]
Lesetipps Sachbuch und Belletristik, für Kinder und Erwachsene.
Selbsthilfegruppen, nach Bundesland und weltweit.
Empfehlungen, Skurriles, Ressourcen.
Abonnieren Sie unsere Info-Mails.